Empfehlung: Mehr Porno, weniger Erotik in der Programmierung.

Ich habe lange mit mir gehadert, ob ich tatsächlich diese Überschrift wähle. Mir ist bereits beim Schreiben klar, dass ich die nächsten Wochen vermutlich mit dem Löschen von Spam-Kommentaren verbringen werde. Und das, obwohl der Titel nicht einmal von mir stammt. 

Auslöser ist ein Blogeintrag von Ralf Westphal. Ralf dürfte den meisten .NET Entwicklern bekannt sein als Visionär in Sachen Event Based Components, Philosoph und Querdenker. Seine regelmäßige Kolumne "Sandbox" in der Fachzeitschrift dotnetpro ist meist geprägt von Fragen über Sinn und Unsinn gehypter Technologien, danach, warum das Offensichtliche meist übersehen wird und Weltanschauungen, die zu lesen man einfach nicht verpassen darf. Häufig eckt Ralf mit seiner Meinung an und überrumpelt dabei den Rest der Community mit bewusst polarisierenden Vorstellungen.

Und genau das ist es, was häufig fehlt. Technologien können nicht nur sondern sollten auch regelmäßig in Frage gestellt werden. Und manchmal muss das Offensichtliche eben erst herausgearbeitet werden, damit es auch jeder erkennt.

Beispiele der Vergangenheit:

In der Ausgabe 8/2011 schreibt Ralf über die "Lizenz zum Sterben" und fragt sich, warum eigentlich alle wissen, dass Software nur eine begrenzte Lebenszeit haben, aber dennoch keiner von Anfang an die Konsequenzen einplant. In der Ausgabe 7/2011 mahnt Ralf an, dass Teams häufig der Blick auf's Ganze fehlt und daher die Planung einen wesentlichen Baustein komplett ausklammert. Und in seinem Blog ist zurzeit u.a. zu lesen, dass es in der Programmierung mehr Porno und weniger Erotik geben sollte.

Bitte was?

Ralf bezieht sich dabei auf ein Zitat aus dem brand eins Magazin: "Das Erotische setzt das Geheimnis voraus. Wo es ganz verschwindet, beginnt die Pornografie." (Byung-Chul Han, Ausgabe 7/2011) Dabei überträgt er diese Vorstellung auf die Softwareentwicklung und arbeitet anhand von Beispielen heraus, dass Erotik höchstens Platz hat, wenn Zeit dafür ist, "höhere Erotik" in Form von Eleganz gern gesehen ist, grundsätzlich aber die "krasse Nacktheit" das Mittel der Wahl sein sollte. Denn unterm Strich soll der Code auf den ersten Blick zu verstehen (was bei Linq nicht immer gelingen will) und seine Funktionalität nicht kunstvoll verhüllt sein.

Ralf, solltest Du das hier lesen: Wo ordnest Du die EBC ein?

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Über die Autoren

Christian Jacob ist Leiter des Geschäftsbereiches Softwarearchitektur und -entwicklung und zieht als Trainer im Kontext der .NET Entwicklung sowie ALM-Themen Projekte auf links.

Marcus Jacob fokussiert sich auf die Entwicklung von Office-Addins sowie Windows Phone Apps und gilt bei uns als der Bezwinger von Windows Installer Xml.

Martin Kratsch engagiert sich für das Thema Projektmanagement mit dem Team Foundation Server und bringt mit seinen Java- und iOS-Kenntnissen Farbe in unser ansonsten von .NET geprägtes Team.

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