Bugfix: Glossar Beschreibung im OIA anzeigen

Mit diesem Artikel folgt ein weiteres Deep Dive in die Welt des OIA (Oracle Identity Analytics). Dieses Mal vor dem Hintergrund eines Bugs, dessen Lösung im Folgenden beschrieben wird.

Im letzten Artikel haben wir gezeigt, wie eine Zertifizierung auf der Grundlage lokaler Konten konfiguriert und durchgeführt werden kann. Da es dabei erforderlich ist, Primärschlüssel zusammenzusetzen, entstehen für die Attribute relativ lange Namen. Das macht die Darstellung für den Zertifizierer unübersichtlich.

Zu sehen war deswegen in dem Artikel, wie beispielsweise die Gruppenmitgliedschaft zwar als Kombination zwischen Server, Account und Gruppe importiert wurde (“SRV01 > A000002 > Users”), die Anzeige sich aber während der Zertifizierung auf die Darstellung der Gruppe beschränkt:

image

 

Klickt nun der Zertifizierer auf die Gruppe, können Glossarinformationen angezeigt werden, die in diesem Beispiel im Feld Description eine Beschreibung des Servers mitführt. Das kann dem Zertifizierer dabei helfen, den Kontext besser zu verstehen. Damit das funktioniert, müssen ressourcenabhängig Glossarinformationen importiert werden.

Import Glossary

Datei: …\import\schema\Betriebssystem_glossary.rbx

# @iam:namespace name="Betriebssystem" shortName="OPS"
attributeName,atributeValueValue,endpointName,definition,shortDescription

Datei: …\import\in\Betriebssystem_01_glossary.csv

"groups","SRV01 > D000001 > Users","Windows","Users","Zentraler Entwicklungsserver"
"groups","SRV01 > D000001 > Developers","Windows","Developers","Zentraler Entwicklungsserver"
"groups","SRV01 > A000002 > Administrators","Windows","Administrators","Zentraler Entwicklungsserver"
"groups","SRV01 > A000002 > Users","Windows","Users","Zentraler Entwicklungsserver"

Das Ergebnis des Imports kann nun im Identity Warehouse im Bereich Data Management der jeweiligen Ressource eingesehen werden:

image

Wenn der Zertifizierer während der Zertifizierung nun wie oben dargestellt auf einen Glossareintrag klickt, erhält er aber folgendes Popup:
image

 

Was fehlt, ist die Description. Und der Grund hierfür ist der oben erwähnte Bug in OIA.

Analyse

Bei der Analyse des Datenstroms zwischen Server und Browser mit Hilfe der Internet Explorer Developer Toolbar hat sich gezeigt, dass die Daten für das Popup über den Service dwrIDCService mit der Methode loadBatchUserAccounts gezogen werden. Der Blick in den Quellcode hat zutage gefördert, dass am Ende die Abfrage getIDCAccountAttributesFlatByUser ursächlich für das Problem verantwortlich ist. Da allerdings im OIA das (inzwischen abgemeldete) Produkt iBATIS zum Einsatz kommt, lässt sich die Abfrage leicht einsehen. Sie befindet sich in der Datei IDCAccount.xml im Verzeichnis …\WEB-INF\classes\com\vaau\rbacx\idc\dao\ibatis\maps.

Zunächst wird in der Abfrage ein Defaultdatensatz erzeugt:

<select id="getIDCAccountAttributesFlatByUser" resultMap="account-attribute-wrapper">
  select
  null as attribute_value_id,
  null as attribute_id,
  null as attribute_value,
  null as glossary_def,
  null as short_description,
  null as attribute_name,
  ,
  

 

Einige Zeilen später findet ein Union statt mit einer Abfrage, die die tatsächlichen Daten aus der Datenbank bezieht. Hier zeigt sich das Problem:

select 
   
  idc_account_attributes.short_description as short_description, 
    
from 
  idc_account_attributes, attributes, idc_user_acct_attrs, idc_accounts, namespaces 
  
  

 

Der Blick in die Datenbank zeigt, dass sich hier schlicht keine Daten befinden. Die Glossarinformationen wurden beim Import nämlich in die Tabelle attribute_value_metadata eingelesen.

Lösung

Die Abfrage muss angepasst werden, so dass die Tabelle attribute_value_metadata mit einbezogen wird. Dabei ist darauf zu achten, über die Where-Klausel die Verknüpfung korrekt zu definieren.

select 
   
  attribute_value_metadata.short_description as short_description, 
   
from 
  idc_account_attributes,attribute_value_metadata, attributes,  
where 
  attributes.attributekey = idc_account_attributes.attribute_id and 
  attribute_value_metadata.attribute_value_id=idc_account_attributes.iam_attr_val_id and 
  attribute_value_metadata.endpoint_id=idc_accounts.endpoint_id and 
  idc_account_attributes.id = idc_user_acct_attrs.account_attribute_id and
   
  

Das war es auch schon.

An dieser Stelle ein leider notwendiger Hinweis: Soweit wir es sagen können, hat diese Änderung keine Auswirkungen auf das restliche Produkt. Da wir den OIA aber nicht entwickelt haben, können wir dafür keine Gewährleistung übernehmen. Sollten Sie daher ebenfalls Änderungen an Ihrem System vornehmen, geschieht das auf eigene Gefahr.

Fazit

Leider zeigt sich beim OIA, dass durch den turbulenten Lebenslauf (entwickelt von vaau, übernommen von Sun, gekauft von Oracle) die eine oder andere Unstimmigkeit entstanden ist. Von außen lässt sich natürlich schwer nachvollziehen, welches Unternehmen nun ursächlich für solche Probleme verantwortlich ist. Das ist aber auch unerheblich. Wichtiger ist, dass man sie lösen kann.

Wir konnten dieses Problem durch den Einsatz verschiedener Analysewerkzeuge inkl. Einsicht in den Quellcode identifizieren und nachhaltig beheben. Da von einem Unternehmen, das den OIA zum Zweck der Zertifizierung von Benutzern, Rollen und Konten einsetzt, natürlich kaum erwartet werden kann, so tief in die Technik einzusteigen wenn etwas nicht funktioniert wie erwartet, gibt es für Kunden i.d.R. nur eine Option: Bei Oracle einen Spezialisten einkaufen.

Oder aber Sie fragen uns. :)

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Über die Autoren

Christian Jacob ist Leiter des Geschäftsbereiches Softwarearchitektur und -entwicklung und zieht als Trainer im Kontext der .NET Entwicklung sowie ALM-Themen Projekte auf links.

Marcus Jacob fokussiert sich auf die Entwicklung von Office-Addins sowie Windows Phone Apps und gilt bei uns als der Bezwinger von Windows Installer Xml.

Martin Kratsch engagiert sich für das Thema Projektmanagement mit dem Team Foundation Server und bringt mit seinen Java- und iOS-Kenntnissen Farbe in unser ansonsten von .NET geprägtes Team.

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