Webseiten, Produkte und Tools, die jeder VBA-Entwickler kennen sollte

VBA steht für Visual Basic for Applications. Im Grunde genommen kennt nahezu jeder Softwareentwickler diese Programmiersprache, die ihren Ursprung in den Office-Produkten hat. Denn hier kommt sie i.d.R. zum Einsatz: Outlook, Word und Excel. Hier wird am meisten automatisiert, bis der Arzt kommt.

Während unserer Meinung nach VBA eine große Flexibilität bietet, sehen wir uns aber oft einer eher negativen Einstellung gegenüber VBA ausgesetzt.

Die Gründe lassen sich einfach auflisten:

  • Kein besonders intelligentes IntelliSense
  • Keine Anbindung an eine Quellcode-Verwaltung*
  • Kein Refactoring
  • Kein Exception-Handling
  • ...

Die Liste ist noch viel länger, aber eines wird schnell klar: VBA ist kein C# und VBE (Visual Basic Editor) ist kein Visual Studio. Allerdings ergeben sich so auch Vorteile: Fachabteilungen können zumeist eigene Herausforderungen schnell und flexibel lösen (ohne von der IT oder der Entwicklungsabteilung abhängig zu sein). Es werden keine zusätzlichen Lizenzen für Entwicklungsumgebungen benötigt, da alles, was man braucht, in Office integriert ist (inkl. der Laufzeitumgebung). Installationssysteme sind nicht notwendig, da der Code Bestandteil der jeweiligen Dokumente ist. Natürlich empfinden wir die Nachteile (siehe oben) aber auch als problematisch.

Um sie im Vergleich zu modernen Programmiersprachen und Entwicklungsumgebungen ein wenig auszugleichen, hat der an Qualität interessierte VBA-Entwickler nichts desto trotz Zugriff auf einen reichhaltigen Fundus an Know-How und Erweiterungen.

Dieser Artikel listet einige davon auf (und erfüllt natürlich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit; Ergänzungen werden gerne gesehen > Ab damit in die Kommentare!).  

MZ-Tools

MZ-Tools ist der Platzhirsch unter den Anbietern von (u.a.) VBA-Erweiterungen. Der Anbieter selbst spricht von Funktionen, die einen schneller Ergebnisse erzielen lassen, besser Code wiederzufinden, besser Oberflächen zu gestalten, einfach Dokumentationen zu generieren, u.v.m.

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Rubber Duck

Hierbei handelt es sich um ein ambitioniertes Open Source Projekt, das sich anschickt, den Visual Basic Editor ins 21. Jahrhundert zu katapultieren. Auch in dieser Erweiterung finden sich Funktionen wie z.B. ein integriertes Refactoring und eine regelbasierte Überprüfung der Code Qualität. Die Besonderheit von Rubber Duck: Ab Version 2.0 ist eine Anbindung von Git als Quellcode Verwaltung vorgesehen! Übrigens: Rubber Duck beinhaltet auch einen Testrunner für VBA Unit-Tests. Kein Witz!

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Tipps und Tricks von Pearson Software Consulting

CPearson bietet eine unfassbar umfangreiche Liste an Tipps und Tricks im Umgang mit u.a. VBA an. Auch nur Ansatzweise darzustellen, was man hier alles lernen kann, würde den Artikel sprengen. Hier (für mich) zwei Perlen: "Implementing Interfaces in Class Modules" (ja, es geht noch immer um VBA!) und "Introduction to Classes".

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Excel Tips von J-Walk & Associates

Auch hier gibt es eine lange Liste von Tipps für Entwickler, kategorisiert nach VBA Functions, UserForms, CommandBars & Menus und General VBA. Auch für Benutzer finden sich hier zahlreiche Hinweise, die einem das Leben in zumindest Excel deutlich erleichtern.

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Excel-Formeln übersetzt

Zugegeben, hier geht es weniger um VBA direkt, als denn mehr um Excel. Da allerdings auch oft von VBA aus Excel-Dokumente automatisiert werden, kann es manchmal hilfreich sein, Zugriff auf eine Übersetzungstabelle für Excel-Formeln zu haben. Wer also schon oft mit einem SVERWEIS gearbeitet hat, weiß nun, dass der englische Begriff hierfür VLOOKUP lautet.

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* Ausgenommen Microsoft Access bis - ich glaube - Version 2010. Hier gab es früher eine Integration des MSSCCI Providers für die Anbindung an z.B. Visual Source Safe oder den TFS. Allerdings hat diese Funktion nicht bis heute überlebt und wurde auch nur selten genutzt.

 

Wie eine Attribute-Level Remediation in OIA funktioniert…

… wissen wir leider auch nicht.

Das heißt: Eigentlich schon. Aber es ist nicht gerade so, dass die Funktion besonders sinnvoll erscheint. Doch was ist damit eigentlich gemeint?

In Oracle Identity Analytics werden Daten vereinfacht gesagt wie folgt strukturiert:

image

 

Es gibt also globale Benutzer (darunter versteht der OIA Identitäten, also reale Menschen) und darunter Accounts. Sprich: Ein Mensch kann über mehrere Accounts (z.B. Anmeldekonten) verfügen. Jedem Account können mehrere Attribute zugewiesen sein, die den Account besser beschreiben. Dabei können Attribute auch verschachtelt werden. Beispielsweise ist es so möglich, folgendes abzubilden:

Global User > Account > Group Membership > Folder Permissions

In diesem Fall kann also ein Mitarbeiter über einen Account verfügen, der Mitglied in verschiedenen Gruppen ist, wobei jede Gruppe über spezifische Verzeichnisberechtigungen in irgendwelchen Netzwerk-Shares verfügt.

Attribute-Level Remediation

Unter Remediation versteht man in der Welt des OIA die Notwendigkeit von Korrekturen, die immer dann anstehen sollten, wenn eine IST-Situation von einem SOLL abweicht. Hat ein Mitarbeiter z.B. das Unternehmen verlassen, sein Account existiert aber nach wie vor im Active Directory, müsste bei einer Identity Certification genau das herauskommen: Der Zertifizierer bekommt den Mitarbeiter vorgelegt und lehnt ihn direkt ab (disclaim). Der OIA erkennt den Unterschied und führt den Benutzer der Korrekturverfolgung zu (Remediation Tracking).

Was aber, wenn nicht der Benutzer (bzw. die Identität oder wie der OIA sagen würde: der Global User), und auch nicht in dem Sinne dessen Account, sondern stattdessen Gruppenmitgliedschaften zertifiziert werden sollen – bzw. korrigiert werden sollen, falls IST und SOLL voneinander abweichen?

Dann ließe sich das – nach offizieller Aussage – mittels der Data Owner Certification abbilden. Neben der Benutzer-, Rollen- und Ressourcenbasierenden Zertifizierung ist das die Nummer vier im Bunde:

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In dieser Art der Zertifizierung ließe sich nämlich auf Ebene der Attribute arbeiten. Dazu werden einfach die gewünschten Attribute ausgewählt:

image

 

Doch nun kommt der Pferdefuß: Wie bei allen anderen Zertifizierungstypen auch muss natürlich noch die Frage beantwortet werden, wer denn nun die Zertifizierung ausführen soll. Bei einer Identitätsbasierenden Zertifizierung kann das z.B. der Manager der jeweiligen Ressource sein, oder aber der Manager der jeweiligen Abteilung.

Bei der Data Owner Zertifizierung kann entweder nur ein einziger Mitarbeiter dazu auserkoren werden, oder aber – hence the name – der jeweilige Data Owner. Ein einziger Mitarbeiter wäre in den meisten aller Fälle unsinnig. Denn der müsste dann ja die entsprechenden Attribute aller Mitarbeiter des Unternehmens zertifizieren. Und in der Annahme, dass nur Großunternehmen ein Produkt wie den OIA einsetzen, gehe ich davon aus, dass einen Mitarbeiter mit dem Thema zu beschäftigen vermutlich gegen das Arbeitsschutzgesetz verstößt (oder wird Folter hier nicht berücksichtigt?).

Data Owner

Wer ist denn nun also der Data Owner?

Die Ressourcenansicht zeigt: Jedes einzelne Attribut an jedem einzelnen Account hat einen eigenen Data Owner:

image

 

Interessanter Fact am Rande: Die Frage danach ob es Sinn ergibt oder nicht mal beiseite gestellt, lassen sich Data Owner über die OIA Oberfläche hinzufügen. Die Sache ist nur die: Man kann sie nicht wieder entfernen (nur ein Hinweis, falls es jemand versuchen sollte).

Da aber auch hier ein gewissen Mengenproblem dem Tatendrang die Motivationsgrundlage entzieht, stellt sich also eher die Frage, ob sich der Data Owner beim Importieren der Accounts setzen lässt. Einen pfiffigen BI-Experten mit Kenntnissen in der Bedienung eines modernen ETL Tools vorausgesetzt wäre das doch die Lösung. Richtig?

Falsch. Denn der Data Owner lässt sich eben nicht automatisiert importieren.

Ende der Geschichte.

Falls jemand dazu andere Informationen vorliegen hat, oder einen Weg kennt, das Problem zu lösen, freue ich mich über einen Kommentar. Anderenfalls greife ich es vielleicht noch einmal auf, sollten wir selbst dazu eine Lösung finden (mir schwebt hier die Implementierung eines benutzerdefinierten Post-AccountImport Jobs vor – ähnlich den MaintenanceJobs und einer konfigurierbaren Zuordnung zwischen Attribute-Values und Data Ownern).

Microsoft goes Linux und ich installiere Oracle Identity Analytics auf einem Windows Server

Zugegeben, die Idee, den OIA auf einem Windows Server zu installieren klingt zunächst einmal hanebüchen. Warum sollte man so etwas tun? Nun, ganz einfach: 1. Weil es sich bei dem OIA um nicht mehr und nicht weniger als eine Web-Anwendung handelt, der es egal sein sollte, auf welchem Betriebssystem sie gehostet wird und 2. Weil es dem OIA tatsächlich egal ist, auf welchem Betriebssystem es gehostet wird.

Außerdem bewege ich mich leichtfüßiger in der Microsoft-Welt im Vergleich zu bspw. Oracle Linux.

Hintergrund ist aber eigentlich das Bedürfnis, völlig frei und unabhängig mit dem OIA experimentieren zu können. Wie lässt sich die Anwendung customizen? Wie können hierarchische Daten importiert werden? Wie funktioniert eine sog. "Open Loop Remediation" und was muss man dazu in der Konfiguration beachten?

Kundenserver haben die Angewohnheit, meist von anderen administriert zu werden. Auf meinem eigenen Hyper-V Windows Server kann ich aber schalten und walten, wie es mir gefällt, Checkpoints erstellen, Daten in den OIA importieren, wieder löschen, Identitäten anlegen, Zertifizierungen nur zum Test durchführen, eigene Java Beans für die Integration OIA-fremder ETL Tools einbauen (und sie wieder ausbauen, weil das vermutlich nicht funktionieren wird), etc. pp.

Und wer denkt, für den Oracle Identity Analytics Server bräuchte es Oracle Experten, um ihn zu installieren, der irrt. Zumindest unter Windows sind die notwendigen Schritte für eine einfache Basis-Installation nicht schwer. Die "Setup-Experience" unterscheidet sich zwar spürbar von der Installation gewohnter Microsoft-Produkte, aber wenn man bestimmte Dinge beachtet, funktioniert alles reibungslos:

  • Installation von Windows Server 2008 R2
  • Installation von Oracle Database 11
  • Einrichten einer Datenbank (rbacx) und Erstellen eines Benutzers (rbacxservice)
  • Vorbereitung der OIA Installation
  • Erstellen des OIA Datenbankschemas
  • Installation des WebLogic Applicationservers
  • Einrichten einer WLS Domain (rbacx)
  • Deployment der OIA Anwendung

Auf dem Weg zur funktionierenden OIA Installation müssen verschiedene Dinge beachtet werden. Einige Konfigurationsdateien beispielsweise verlangen eine Umgebungsvariable, die am sinnvollsten als Systemvariable eingerichtet wird (sonst läuft schon mal gar nichts). Gemeint ist übrigens RBACX_HOME. Das steht aber im Prinzip bereits in der Installationsanleitung. Außerdem wird ein Windows-Administrator bei dem Gedanken schmunzeln, dass so etwas Triviales wie ein Datenbank-Treiber separat heruntergeladen und eingebunden werden muss (ojdbc). Interessant wird es bei Dritt-Abhängigkeiten wie z.B. Jasper-Reports oder CloverETL.

Ersteres ist die OSS Reporting Engine, deren korrekte Version nicht mehr da zu finden ist, wo die Anleitung es behauptet. Selbiges gilt für CloverETL. Die Idee dahinter ist eigentlich pfiffig: Der OIA integriert die Open Source ETL Engine, so dass Transformationen von Quelldaten vor dem eigentlichen Import in den OIA vom OIA selbst automatisiert durchgeführt werden können. Der Haken daran ist lediglich, dass es sich um die so ziemlich älteste Version der Engine handelt, die es gibt: Sie stammt von 2006 und nach zwei Akquisitionen hat es der aktuelle Rechteinhaber Oracle nicht geschafft, das Thema zu aktualisieren (zuvor hieß der OIA noch Sun Role Manager und davor hieß es Vaau RBACx). Unglücklicherweise gibt es die alte Clover GUI nicht mehr, die mit CTL1 in der Lage war, OIA kompatible ETL-Graphen zu erzeugen. Da die in den OIA integrierte CloverETL Engine nicht mit CTL2 kompatibel ist, hilft einem der aktuelle CloverETL Designer auch nicht weiter. Mal abgesehen davon, dass die Anschaffung mit nicht unerheblichen Lizenzkosten verbunden ist.

Es wäre für mich mal interessant zu erfahren, wie andere Unternehmen damit umgehen. Irgendwie müssen die Daten ja vorverarbeitet und qualifiziert werden. Mit Microsoft SSIS? Mit Talend Open Studio? Mit Informatica PowerCenter? Und wie wird das jeweilige Produkt in den OIA Workflow eingebunden?

Mehr dazu vielleicht ein anderes Mal.

Über die Autoren

Christian Jacob ist Leiter des Geschäftsbereiches Softwarearchitektur und -entwicklung und zieht als Trainer im Kontext der .NET Entwicklung sowie ALM-Themen Projekte auf links.

Marcus Jacob fokussiert sich auf die Entwicklung von Office-Addins sowie Windows Phone Apps und gilt bei uns als der Bezwinger von Windows Installer Xml.

Martin Kratsch engagiert sich für das Thema Projektmanagement mit dem Team Foundation Server und bringt mit seinen Java- und iOS-Kenntnissen Farbe in unser ansonsten von .NET geprägtes Team.

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